Jagdhorn ...

Fürst Pless und Parforce



Jagdhörner sind in ihrer ur-sprünglichen Verwendung als Signalinstrumente für Signale bei Gesellschaftsjagden im Einsatz. Auf grosse Entfernungen konnten so Befehle und Hinweise gegeben werden. Heute gehört das Jagdhorn zum jagdlichen Brauchtum.

Jagdsignale und jagdliches Brauchtum gehören zur Jagd wie das Salz in die Suppe. Das Jagdhorn hat gerade heute wieder einen hohen Stellenwert innerhalb der Jägerschaften.

Jagdhornblasen erlernt man am besten in einer schon bestehenden Gruppe. Vorausgesetzt wird ein gutes Gehör und musikalisches Gespür, da Jagdhörner nur die Naturtöne (Naturhorn in B: c – g- c- e- g – a“) umfassen, welche durch eine Veränderung der Lippenspannung erzeugt werden. Die Technik ist zu einem gewissen Grad erlernbar, wenn es aber darum geht die gesamte Tonreihe zu einem Stück zu formen und das noch im Zusammenspiel mit anderen Bläsern, hilft nur das Gehör. Bei der „klassischen“ Reihe der Jagdsignale werden die fünf möglichen Naturtöne des Plesshorns (nur bei einem Signal werden 6 Töne verwendet) durch rhythmische und melodische Gestaltung zu klar unterscheidbaren Melodien geformt.

Mit der Zeit entwickelten sich Signale, die von allen Jägern verstanden werden müssen, um eine reibungslose Abwicklung der Jagd zu ermöglichen. Darüber hinaus dient das Blasen von Jagdhörnern in Gruppen der Pflege von Kultur und altem Brauchtum. Die Umrahmung von Feiern auf traditionelle Weise, ist aus dem modernen Jagdbetrieb nicht wegzudenken. Selbst bei nicht jagdlichen Anlässen werden Jagdhörner von Komponisten und Musikern in vielfältiger Weise als wohlklingende Melodieninstrumente immer wieder gern eingesetzt.

In der mittelalterlichen Literatur finden sich erste genauere Hinweise über Hornsignale als akustische Verständigungszeichen der Jäger. Die leicht gebogenen Rundhörner wurden aus grossen Ochsenhörnern hergestellt und mehr oder weniger in ihrer natürlichen Form belassen. Sie erzeugten kaum mehr als einen einzigen Ton. Auch der dumpfe Klang der halbmondförmigen Mittel- und Flügelhörner liess sich kaum variieren. Seit dem 16. Jahrhundert wurden lange, mehrfach gewundene Hörner neben der Jagd auch in musikalischen Vorführungen eingesetzt, da sie das Spielen von Melodien ermöglichten. In der Folge entwickelte sich das Jagdhorn zum modernen Orchesterinstrument, welches Mozart, Haydn und vielen anderen für ihre Kompositionen zur Verfügung stand.

Erfreulicher Weise hat das Jagdhornblasen in letzter Zeit einen großartigen Aufschwung genommen.

So gehören die Auftritte beim Hubertusfest und bei jagdlichen Veranstaltungen; zu besonderen Anlässen in der Jägerschaft wie z.B. runden Geburtstagen, Hochzeiten und jagdlichem Erfolg sind die Bläser zu hören und erfreuen mit Fanfaren und Jagdmärschen.

 

Fürst Pless-Horn

Das heute gebräuchlichste Jagdhorn ist das fünftönige Fürst Pleßsche Jagdhorn in B. Es ist noch nicht 100 Jahre alt.

Das Fürst Plesshorn ist das Standartinstrument des Jägers. Es ist das Instrument aus dem Jagdgebrauch das am weitesten Verbreitung findet.

Es hat eine Länge von ca 1,40 m.

Als B-Instrument klingt ein notiertes c  genau einen Ganzton tiefer als auf dem Klavier (in C), es klingt ein b. Daher rechnet man die Jagdhörner zu den transponierenden Instrumenten.

Müsste man Jagdhorn zusammen mit Klavierbegleitung spielen, so müsste das Klavier also jede Note einen Ton tiefer spielen (transponieren) um mit dem Plesshorn gleich zu klingen.

Das Fürst-Pless-Horn, kurz Plesshorn, ist ein in B gestimmtes Blechblas-instrument und dient als Horn Jägern zum Anstimmen der Jagdsignale.

Als reines Naturhorn mit einer Rohrlänge von ca. 130 cm hat es einen Tonvorrat von normal gebräuchlich sieben Naturtönen, wobei bis auf wenige Ausnahmen nur die fünf tiefsten dieser Töne verwendet werden. Die gute Unterscheidbarkeit der fünf verwendeten Töne ist eine Voraussetzung zur klaren Identifikation der Jagdsignale auch über grössere Entfernungen in bewachsenem Gelände.

Benannt wurde das Fürst-Pless-Horn ab 1880 nach Hans Heinrich XI., Fürst von Pless, dem Oberstjägermeister unter den Kaisern Wilhelm I. und Wilhelm II., der zu seiner Verbreitung wesentlich beitrug. Eingang fand es in das Weidwerk über die Jäger- und Schützeneinheiten des deutschen Bundesheeres, die ein kreisförmiges Signalhorn zur Unterscheidung von der Infanterie mit ihrem Bügelhorn führten.

Parforce B

Das französische Parforcehorn ist ein grosses Horn mit zwei Windungen und fand bei Parforcejagden Verwendung.

Landläufig könnte man glauben, dass das Parforcehorn seinen Namen davon hätte, weil man das Instrument mit roher Kraft (par force) blasen würde. Im Gegenteil ist es aber sehr viel leichter und angenehmer zu blasen als das Fürst Pless-Horn. Die Bezeichnung Parforce kommt von der Jagd, auf der es Verwendung fand und zwar der zu Pferde im Wald (par ce foret, durch den Wald) in Frankreich und später in ganz Europa. Durch die längere Windung von ca 2,70 m klingt es genau eine Oktave tiefer als das Plesshorn in b. Daher ist es als Bassbegleitung zur Fürst-Pless Oberstimme bestens geeignet. Praktisch klingt das auf dem Parforcehorn geblasene mittlere c2 so hoch wie das tiefe c1 vom Pless oder das hohe c3 auf dem Parforcehorn so hoch wie das mittlere c2 auf dem Pless, also immer die Oktav tiefer. Um die unteren Hilfslinien zu vermeiden schreibt man unter den Violinschlüssel eine 8 und notiert wie in der Fürst-Pless-Stimme und damit eigentlich eine Oktave zu hoch. Verglichen mit dem Klavier mit der Stimmung in C-Dur klingt das Parforcehorn B 1 Oktav (8Töne) + 1 Ton also 9 Töne tiefer. Das Parforcehorn in B spricht durch die vergleichweise kürzere Windung viel leichter an und klingt heller als das längere Es Horn.

In Frankreich wird an Stelle des Parcorcehorns die auf dem Grundton D stehende Trompe de Chasse geblasen.

Das Parforcehorn ist ein Blechblasinstrument, das ursprünglich als Signalinstrument für die Parforcejagd diente. Direkt aus dem Parforcehorn wurde das Waldhorn entwickelt.

Das ursprüngliche Horn zum jagdlichen Gebrauch hatte nur eine Windung, erst für den Einsatz im Orchester wurde es mehrwindig gebaut. Für den Gebrauch im Rahmen des jagdlichen Brauchtums gibt es mittlerweile auch ein mehrwindiges Instrument mit reduziertem Windungsdurchmesser, das handlicher als das originale Horn ist.

Der Einsatz des Parforcehorns erfolgt vorrangig im jagdlichen Brauchtum zum Blasen von Jagdsignalen. Die grosse Windung diente dazu, dass der Reiter das Horn über der Schulter tragen konnte, indem er Kopf und Arm hindurchsteckte. So hatte er beide Hände zum Reiten frei.





Warum spielen Hörner immer so gerne Nachschlag?

Tun sie doch gar nicht - der Ton braucht so lange bis er durch's Instrument durch ist.